Digitalisierung, Teamkultur und Miteinander statt Konkurrenz
Nach der Übernahme hat Isabelle viele Dinge verändert – nicht auf einmal, sondern Schritt für Schritt. Ein zentraler Aspekt war die Digitalisierung:„Papier verwenden wir eigentlich nur noch zum Skizzieren von Ideen und Entwürfen – Angebote, Rechnungen und Unterlagen laufen inzwischen fast vollständig digital über E-Mail.“
Zusätzlich wurde die alltägliche Arbeitsstruktur im Team neu gedacht und stetig auf relevante Bedürfnisse angepasst. Durch ihre Nachfolge wurden auch Gleitzeitmodelle eingeführt. Ein Mitarbeiter nutzt inzwischen bewusst die 4-Tage-Woche. Diese Flexibilität und Selbstbestimmung käme im Team gut an und stärkt vor allem das Miteinander. Parallel zu den Veränderungen in personellen Prozesse wurden auch die Werkstatt und der Maschinenpark modernisiert sowie das Erscheinungsbild des Betriebs. Dieses wurde mittels neuem Logo und Website neu aufgezogen. Auch der Austausch mit anderen Betrieben ist Isabelle wichtig. Sie setzt auf ein stabiles Netzwerk und auf ein harmonisches Miteinander - mit Konkurrenz hat das ihrer Meinung nichts zu tun.
Erfolge und Herausforderungen der Nachfolge
„Ich wurde zu jedem Zeitpunkt von allen voll respektiert und als Chefin angenommen, was für mich sehr wertvoll war.“ Eine Grundlage, die jeder Frau nach der Übernahme des Betriebs gegeben sein sollte. Gleichzeitig gibt es weitere Herausforderungen, die Teil des Prozesses waren. „Ich habe zwar die Position meines Vaters übernommen, aber niemanden gehabt, der meinen bisherigen Aufgabenbereich übernommen oder mich unterstützt hätte. […] Die letzten 1,5 Jahre habe ich es auch ohne geschafft, aber es war phasenweise sehr stressig.“
Werte, Haltung, Weiterentwicklung
Isabelles unternehmerisches Handeln fußt auf klaren Werten:
„Mir ist es wichtig, in unserem Betrieb vor allem Vertrauen, Zuverlässigkeit und Respekt zu leben. […] Wir wollen Produkte und Dienstleistungen anbieten, auf die wir selbst stolz sein können und hinter denen wir stehen.“ Nachhaltigkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen sind für sie genauso selbstverständlich wie Qualität und Ehrlichkeit. Isabelle hat mit ihrer Nachfolge der Tischlerei gezeigt, dass Umschwung und Entwicklung möglich ist. Wie sie das mit ihrem Mindest vereinbaren konnte und durchzog?
Das verrät sie in den folgenden drei Tipps:
- „Ein gutes Netzwerk aufzubauen. Kolleg:innen, die man sich gegenseitig unterstützt, sind Gold wert – das erleichtert den Alltag enorm.“
- „Veränderungen langsam und Schritt für Schritt anzugehen. So behält man den Überblick und kann sich in Ruhe entwickeln.“
- „Bewahre dir deinen hohen Qualitätsanspruch, auch wenn es manchmal herausfordernd ist, diesen zu verteidigen und zu verfolgen. Genau diese Haltung sorgt dafür, dass die Arbeit am Ende wirklich gut wird und das macht langfristig einen Unterschied.“
Der Aktionstag „Nachfolge ist weiblich“ will mehr als informieren – er will inspirieren. Die Geschichte von Isabelle Werner steht exemplarisch für eine neue Generation von Unternehmerinnen im Handwerk: reflektiert, innovativ, klar in Haltung und Werten. Damit aus der Ausnahme eine Regel wird, braucht es gezielte Förderung, starke Netzwerke, sichtbare Vorbilder – und den Mut, eigene Wege zu gehen.