Mit Plant Pilots startet im LAB 4 – Sustainable Growth im MAFINEX ein neues Unterstützungsangebot für technologieorientierte Startups, die genau an dieser Schwelle stehen. Die beiden Industrieexpert*innen Dr.-Ing. Ann-Kathrin Andresen und Bernd Hetterscheidt bieten eine kostenlose Sprechstunde für Teams an, die technische, strategische und unternehmerische Fragestellungen rund um Anlagenbau, Pilotierung und industrielles Scale-up sortieren möchten.
Warum es beim Scale-up nicht nur um Technik geht, welche Fehler Startups früh vermeiden können und warum ein ehrlicher Sparringsraum manchmal wertvoller ist als die nächste perfekte Pitchfolie, erzählen Ann-Kathrin und Bernd im Interview.
Plant Pilots im MAFINEX: Vom Labor in Richtung Industrieanlage
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Vom Labor zur Pilotanlage: Mit Plant Pilots startet im LAB 4 – Sustainable Growth ein neues Sparringsformat für technologieorientierte Startups aus Verfahrenstechnik, Maschinenbau und industriellem Scale-up. Im Interview erzählen Dr.-Ing. Ann-Kathrin Andresen und Bernd Hetterscheidt, warum frühe Klarheit teure Umwege vermeiden kann – und weshalb gute Technik immer auch gute Entscheidungen braucht.
Ann-Kathrin, du arbeitest seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Verfahrenstechnik und industriellem Scale-up. Was sind typische Stolpersteine, wenn Startups den Schritt vom Labor in Richtung Pilotanlage gehen?
Der größte Stolperstein ist oft, dass die Komplexität deutlich zunimmt. Im Labor steht im Vordergrund, ob ein Prozess grundsätzlich funktioniert. In Richtung Pilotanlage kommen weitere Ebenen hinzu: Stabilität, Sicherheit, Stoff- und Wärmetransport, Betriebsführung, Kapitalbedarf, Genehmigungen, Lieferketten und industrielle Partnerschaften.
Gleichzeitig muss klar sein, welche Frage die nächste Anlage beantworten soll und ob die Ergebnisse repräsentativ für den nächsten Schritt sind. Wer diese Themen früh zusammendenkt, macht Scale-up nicht einfacher, aber deutlich planbarer.
Bei welchen Fragestellungen können Startups besonders von deinem Blick als Ingenieurin profitieren?
Als Ingenieurin schaue ich auf das Zusammenspiel der gesamten Anlage. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Prozess grundsätzlich funktioniert, sondern ob er sicher, stabil und dauerhaft betrieben werden kann.
Wie wird die Anlage gefahren? Welche Bauteile, Armaturen und Sensoren werden benötigt? Wo können Schwachstellen entstehen und wie ist die Anlage sicherheitstechnisch geschützt?
Redundanzen, Anlagenverfügbarkeit und eine wartungsfreundliche Gestaltung sind keine Details, sondern Voraussetzungen dafür, dass aus einem technischen Konzept ein belastbarer Betrieb wird.
Was motiviert dich daran, Startups im Rahmen der Plant-Pilots-Sprechstunde im MAFINEX zu begleiten?
Gute Ideen brauchen den Weg in die Realität, und genau dabei wollen wir helfen. Willkommen sind Startups, die sich mit nachhaltigen Prozessen und neuen Technologien befassen. Das gilt für Teams, die noch am Anfang stehen, ebenso wie für Startups, die bereits eine erste Pilotanlage gebaut haben und den Schritt in die Industrialisierung angehen.
In der kostenlosen Sprechstunde im LAB 4 des MAFINEX nehmen wir uns bis zu drei Stunden Zeit, um technische und strategische Fragen gemeinsam zu sortieren. Ziel ist, Klarheit zu schaffen, bevor große Entscheidungen getroffen werden.
Du hast selbst viele Jahre in der industriellen Praxis gearbeitet und ein Startup mit aufgebaut. Was möchtest du davon heute weitergeben?
Bei Pyrum war ich die erste Mitarbeiterin und habe den Aufbau über viele Jahre begleitet: von der Planung der ersten Industrieanlage über Genehmigung und Bau bis hin zur Überführung in den Dauerbetrieb.
Dabei ging es nicht nur darum, eine Anlage zu errichten, sondern sie Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und den Betrieb belastbar zu machen. Diese Zeit hat gezeigt, wie viel fachliche Tiefe, Ausdauer und Klarheit nötig sind und wie entscheidend es ist, auch bei Rückschlägen dranzubleiben.
Technik bewegt die Welt, aber Menschen machen sie möglich. Dieses Wissen weiterzugeben, ist heute mein Antrieb.
Was begeistert dich besonders an der Dynamik von Gründungsteams?
Startups denken mutig, testen schnell und stellen Fragen, die in etablierten Strukturen manchmal gar nicht mehr gestellt werden. Diese Energie ist in klassischen Industrieprojekten selten so spürbar.
Gleichzeitig muss die Dynamik irgendwann auf die Realität industrieller Umsetzung treffen: mit belastbaren Daten, robusten Prozessen und einer klaren technischen Roadmap.
Was mich dabei besonders fasziniert: Technische und persönliche Entwicklung hängen bei Gründungsteams sehr eng zusammen. Beim Scale-up geht es eben nicht nur um Anlagen, Daten und Prozesse, sondern auch um Verantwortung, Prioritäten und die Fähigkeit, unter Unsicherheit gute Entscheidungen zu treffen.
Bernd, du bringst langjährige Erfahrung als CEO, CTO und Beirat im internationalen Maschinenbau mit. Welche strategischen Entscheidungen müssen Startups besonders früh treffen, wenn sie Richtung industrielle Umsetzung denken?
Startups müssen sehr früh entscheiden, was ihr eigentlicher Wertkern ist.
Was müssen wir selbst beherrschen, weil es Teil unseres USP ist? Was sollten wir mit Partnern lösen? Und wie verdienen wir später Geld: über Anlagenverkauf, Lizenzen, Service, Betreibermodelle oder hybride Modelle?
Im Anlagenbau hängen diese Fragen eng mit Kapitalbedarf, Lieferkette, Kundenverträgen und Teamaufbau zusammen. Wer diese Entscheidungen zu spät trifft, baut oft zu viel selbst, unterschätzt den Finanzierungsbedarf oder entwickelt am Markt vorbei.
Plant Pilots hilft, diese Weichenstellungen früh, ehrlich und aus industrieller Sicht zu reflektieren.
Viele technische Startups unterschätzen Lieferketten, Partnerschaften und B2B-Markteintritt. Wo siehst du typische Herausforderungen?
Viele technische Startups unterschätzen, dass industrielle Partner nicht nur von einer guten Idee überzeugt werden müssen. Sie brauchen Verlässlichkeit: technische Spezifikationen, realistische Zeitpläne, saubere Rollen, klare kommerzielle Logik und ein Verständnis für Risiken.
Gleichzeitig können junge Startups oft noch keine großen Abnahmemengen oder langfristigen Garantien geben. Genau hier entsteht die Lücke.
Erfahrenes Sparring kann helfen, die richtige Sprache gegenüber Lieferanten, Kunden und Entwicklungspartnern zu finden, Erwartungen realistisch zu setzen und Partnerschaften so zu strukturieren, dass beide Seiten trotz Unsicherheit handlungsfähig werden. Zentral wichtig ist, dass alle Partner eine gemeinsame Vision teilen.
Was ist aus deiner Sicht das Besondere am Plant-Pilots-Format im LAB 4?
Wir bieten eine besondere Kombination: langjährige Erfahrung im globalen Deep-Tech-Business, viele Kontakte auf Kunden-, Lieferanten- und Technologieseite sowie technische Expertise aus dem Anlagenbau mit starkem Bezug zum Startup-Leben – von der Idee bis zum Exit.
Gerade im MAFINEX, mit seiner Lage im Zentrum des Anlagenbaus in Deutschland, kann daraus ein starkes Spezialangebot für technologieorientierte Startups entstehen.
Was reizt dich heute daran, mit jungen technologieorientierten Teams zu arbeiten?
Mich reizt die Verbindung aus Technologie, Unternehmertum und Wirkung. Junge Teams haben oft hervorragende Ideen und enorme Energie. Aber im industriellen Umfeld treffen sie sehr früh auf harte Realitäten: Kapitalbedarf, Kundenanforderungen, Lieferketten, Verträge, Zulassungen und Skalierungsentscheidungen.
Wenn wir mit unserer Erfahrung helfen können, klassische Fehler zu vermeiden, bessere Entscheidungen zu treffen und schneller zu industrieller Reife zu kommen, dann ist das ein sehr großer Hebel.
Gibt es eine Erfahrung aus deiner Laufbahn, die du Startups besonders gerne mitgibst?
Die wirklich kritischen Entscheidungen entstehen selten dort, wo alle Fakten vollständig auf dem Tisch liegen. Gerade in dynamischen oder schwierigen Situationen muss man mit Unsicherheit umgehen, Annahmen prüfen und trotzdem entscheiden.
In solchen Momenten habe ich sehr davon profitiert, unabhängige Sparringspartner zu haben – etwa in Beirats- oder Aufsichtsratskonstellationen –, die kritisch nachfragen, aber nicht aus Eigeninteresse agieren.
Genau das fehlt vielen Startups. Nach außen müssen Gründerinnen und Gründer überzeugend sein – gegenüber Investoren, Kunden oder Partnern. Gleichzeitig brauchen sie einen geschützten Raum, in dem Zweifel, Widersprüche, Risiken und unbequeme Fragen ehrlich besprochen werden können.
Plant Pilots soll ein solcher Raum sein: kein klassisches Beratungsgespräch von oben herab, sondern ein vertrauliches, erfahrenes und praxisnahes Sparring. Ziel ist, dass Teams ihre nächsten industriellen Schritte klarer sehen und teure Fehlentscheidungen möglichst vermeiden.
Für wen ist Plant Pilots gedacht?
Plant Pilots richtet sich besonders an technologieorientierte Startups, die in Richtung Pilotanlage, Demonstrator oder industrielle Anwendung wachsen möchten. Dazu gehören zum Beispiel ClimateTech- und GreenTech-Teams, Hardware-Startups aus Verfahrenstechnik oder Maschinenbau, Spin-offs aus Hochschulen und KMU sowie Software-Startups mit Bezug zu industriellen Anlagen oder Produktion.
Typische Fragen können sein:
Ist unsere Idee technisch und wirtschaftlich belastbar? Wie gehen wir im Scale-up sinnvoll vor? Welche regulatorischen Themen müssen wir frühzeitig berücksichtigen? Wie entwickeln wir eine Pilotstrategie als MVP? Und wie bauen wir ein industrielles Ökosystem aus Kunden, Lieferanten und Entwicklungspartnern auf?
Mehr Informationen zu Ablauf und Anmeldung gibt es auf der Plant-Pilots-Projektseite.