SOCIAL ECONOMY goes Altes Volksbad

S-HUB Gründerin Lilli Leirich im NEXT MANNHEIM Interview

Dr. Lilli Leirich ist Dorf- und Arbeiterkind, von Haus aus Wirtschaftswissenschaftlerin, Social Entrepreneur und Mehrfachgründerin. Vor wenigen Wochen ist die gebürtige Russin mit ihrem "S-HUB" in unser Altes Volksbad in der Neckarstadt West gezogen.
Im Interview erzählt sie, was sie tut, warum das so wichtig ist, wohin die Reise geht und wo sie Power und Potential sieht.  

Lilli, wer bist du, was machst du und warum?

Lilli: "Ich bin einfach Lilli, oder auch mal Dr. Lilli, Hundemama, Dorf- und Arbeiterkind, gebürtig aus Russland, von Haus aus Wirtschaftswissenschaftlerin, Social Entrepreneur und Mehrfachgründerin. Was ich so mache: Die letzten Jahre bin ich fast die gesamte Zeit im Hochschulsektor tätig gewesen, hab‘ nebenher Startups gegründet und war selbständig unterwegs. D.h. ich leite Projekte – hauptsächlich zu den Themen Innovation und Gründungskultur – fördere und beteilige mich an Startups und bespiele mit der Marke S-HUB Mannheim das Thema Social Economy (Workshops, Vorträge etc.). Das alles habe ich getan und tue ich – mit schon jetzt vielen neuen Ideen und Plänen für die Zukunft sowie gemeinsam mit einer Menge großartiger Leute – aus der Überzeugung heraus, dass ich richtig viel bewegen kann und auch dazu verpflichtet bin. Das könnte ich jetzt noch ausführen, aber ich lass’ es."

Wir können beobachten, wie Sektorgrenzen aufbrechen und sich sehr unterschiedliche Akteur*innen angleichen, einander öffnen und voneinander lernen
Lilli Leirich

Was verbirgt sich hinter dem S-HUB Mannheim und wer ist eure Zielgruppe?

Lilli: "Der S-HUB Mannheim startete 2019 als Accelerator Programm für Social Startups, wurde dann zum Mannheimer Gründungszentrum und Coworking Space für Social Entrepreneurship und ist mittlerweile ein Hub für alles und jeden im Zusammenhang mit dem Thema Social Economy. Und mit Letzterem meine ich eine neue Sozialwirtschaft, wie wir sie auch in unserer Region erleben, wenn wir mal genau hinschauen - womit nämlich nicht mehr nur der Dritte Sektor, mit bspw. den Wohlfahrtsverbänden, gemeint ist, sondern auch der öffentliche und Wirtschaftssektor sowie die Zivilgesellschaft. Ohne hier in die Tiefe gehen zu wollen, können wir beobachten, wie Sektorgrenzen aufbrechen bzw. sich sehr unterschiedliche Akteure einander öffnen und angleichen, zusammenarbeiten und voneinander lernen. So kommt es, dass sich meine Zielgruppe die letzten 3 Jahre von (angehenden) Social Entrepreneurs und NGOs erweitert hat um Wohlfahrtsverbände, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen, die alle eines verbindet: Sie wollen die Balance finden zwischen ökonomischen und sozial-ökologischen Werten. Sie wollen gesellschaftliche Probleme lösen, schaffen es aber alleine nicht. Ich verbinde diese Akteure, berate sie und entwickele und setze passende Formate um."

Seit März 2022 seid ihr nun im ALTEN VOLKSBAD - creative business. Wie kam es zu dem Umzug und was erhofft ihr euch von der neuen Location?

Lilli: "Ursprünglich waren Carsten Huber und ich ja als 2-köpfiges Kernteam für den S-HUB am Start und auch unser Cultural Startup NOX – Euer Proberaum betrieben wir in der alten Location in Käfertal. Nachdem aber klar war, NOX läuft von alleine, Carsten wird der neue künstlerische Direktor des Liechtensteiner Symphonieorchesters, die Baustelle vor der Tür nimmt kein Ende und das Thema Social Economy sowie auch ich als Unternehmerin entwickeln sich gerade sehr schnell weiter, da wollte ich auch einen physischen, räumlichen Wechsel. Und wie das Universum so spielt, kam ich in dem Moment im Kontext Moderation Neujahrsempfang mit Phil Jungk von Vision Domes zusammen, der beiläufig erwähnte, im Alten Volksbad gibt‘s noch Platz, am nächsten Tag fuhr ich hin und hab‘ sofort den Seminarraum im Erdgeschoss gefühlt. Es geht beim Einzug des S-HUB ins Altes Volksbad um einige wichtige Treiber für kreative und sozialinnovative Wertschöpfung: Der kulturunternehmerische Fokus im Altes Volksbad natürlich, außerdem die Vielfalt des Stadtteils Neckarstadt West (in den ich total verliebt bin) und die zahlreichen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen S-HUB und NEXT Mannheim sowie zwischen Kultur- und Sozialunternehmer*innen. Mehr Potential und Power geht eigentlich kaum."

Ich sehe im Altes Volksbad DEN Ort für kreative und sozialinnovative Wertschöpfung in Mannheim
Lilli Leirich

Social Economy und Kultur- und Kreativwirtschaft passt das zusammen?

Lilli: "Ja aber sowas von passt das zusammen! Ich geb‘ euch ein Beispiel… oder zwei… ach, mir fallen gleich ganz viele ein und zwar Beispiele für junge Unternehmungen, die in sich Kultur- und Kreativ- UND Sozialunternehmertum vereinen und damit demonstrieren, dass diese, ich sage mal, beiden Richtungen, im Kern zusammenlaufen können und auch die Identität der Organisation ausmachen. Das geht vom Architektur-Startup, das durch innovative, nachhaltige Bauweise wiederum nachhaltige Eventzeltlösungen und Gewächshäuser für regionale und autarke Lebensmittelversorgung schafft (VISION DOMES) bis hin zum nachhaltigen Modelabel, das für sozialpolitische Kommunikation und Inklusion steht (Claire Common). Und dann kommt natürlich noch dazu, dass Kultur- und Sozialunternehmer*innen viele gemeinsame Herausforderungen haben, wie etwa ihre Wirkungsmessung und die Tatsache, dass da an vielen Stellen noch nicht so richtig der Rubel rollt, wie er soll. Kurzum, ich sehe da eine starke Community!"

Wie geht es bei euch weiter? Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Lilli: "Ich sehe die Zukunft des S-HUB Mannheim eng verbunden mit der Entwicklung des Alten Volksbads und damit auch in der weiterhin guten Zusammenarbeit mit NEXT Mannheim als auch der Wirtschaftsförderung. Aus dem Altes Volksbad kann man noch eine Menge rausholen und es nutzbar machen für eine Vielzahl von Social und Cultural Startups sowie für Bürger*innen in Mannheim, insb. aus der Neckarstadt West. Ich sehe im Altes Volksbad DEN Ort für kreative und sozialinnovative Wertschöpfung in Mannheim und hab‘ auch schon einige konkrete Ideen und Hummeln im Hintern, sie umzusetzen.
Ich persönlich möchte mit dem S-HUB Mannheim darüber hinaus auch künftig für das Themenfeld Social Economy stehen, es aktiv mitgestalten und weiterentwickeln, sowohl durch Forschungsarbeit als auch durch weitere Projekte in der Praxis mit den vielen verschiedenen Akteur*innen."

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